Family                 

 

Alter                    12

Spezial                

 

MEIN DADDY WAR EIN RÄUBER,

 

CADWALLON – STADT DER DIEBE

 

ein Ri-, ein Ra-, ein Räuber!

 

In Häuser einbrechen, Schmuckkisterln aufbrechen, und überhaupt mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest ist, tut man nicht, liebe Kinder! In „Cadwallon – Stadt der Diebe“ allerdings schon. Vielmehr ist das der Hauptzweck des Spieles. Man verkörpert hier eine Diebesbande aus vier Charakteren. Meistens sind sogar, politisch höchst korrekt, beide Geschlechter in gleicher Anzahl vertreten.

Auf dem grafisch sehr schön gestalteten Spielplan werden die – ebenfalls sehr feinen, leider jedoch einfarbig grauen, aber durch bunte Standfüße unterschiedenen – Figuren von Feld zu Feld bewegt. Durch markierte Öffnungen (Fenster und Türen) dürfen sie Hausfelder betreten und dort ihrer Profession nachgehen: plündern! Wer am Ende des Spieles, meistens nach sieben Runden, die größte Beute (umgerechnet in Spielgeld-Dukaten) in Sicherheit gebracht hat, gewinnt.

Damit es etwas komplexer wird – alle Charaktere haben dieselben Werte (vier Felder zur Bewegung, zwei Würfel im Kampf, vier Intelligenzpunkte, um Schlösser zu öffnen) und je eine spezielle Eigenschaft oder Fähigkeit (so stiehlt zum Beispiel eine leichter, während etwa ein anderer dafür besser feilscht, wenn es am Schluss um den Erlös beim Hehler geht) – gibt es über diesen Grundmechanismus hinaus einige Zusätze. So haben zu Beginn alle Banden sieben Aktionspunkte pro Runde zur Verfügung, die nach Belieben (und taktischen Überlegungen) aufgeteilt werden können. Jeder Charakter darf pro Runde höchstens je eine Bewegung und eine Aktion (Einbruch, Kampf) und gegebenenfalls seine Spezialfähigkeit einsetzen; manche dieser Eigenschaften oder Fähigkeiten kosten aber auch einen Aktionspunkt – in jeder Bande ist so ein zusätzlicher Kostenfaktor vorhanden. Jede Bande verfügt auch über eine in jeder Runde ergänzte Hand von Aktionskarten (sogenannte Arkana-Karten), die beinahe immer, manche sogar während des Zuges der Mitspielenden, eingesetzt werden können (im Kampf jedoch nur eine Karte). Sie bieten Vorteile im Kampf oder auch die Möglichkeit, ausnahmsweise durch Wände gehen zu dürfen und ähnliches. Außerdem wird in jeder Partie ein ausgewähltes Szenario gespielt. Der jeweilige Kartonvordruck (insgesamt acht verschiedene; bislang gibt es noch keine Szenarienergänzung, auch nicht im Internet, allerdings sind bereits Zusatzregeln und neue Aktionskarten zu finden) legt die wichtigen Grundregeln fest – Gibt es die Stadtwache als zusätzlichen Störfaktor? Wie viele Runden dauert das Spiel? Werden einige Ausgänge versperrt, um die Fluchtwege zu verlängern? Zusätzlich kann oder muss man noch Aufträge erfüllen – den Schatz des Herzogs rauben, das Vordringen von Untoten in der Nacht des Aschenkönigs (wohl wie hierzulande ein Perchtenlauf, nur weniger gruselig und weniger alkoholisch) verhindern, oder auch die entführte Tochter des Herzogs finden.

Angesiedelt in der Abenteuerwelt von Rackhams Rollenspielen, ist Cadwallon eine große Stadt, die (noch) nicht in den im Umland herrschenden Krieg Rag’narok hineingezogen wurde. Die Diebeszüge finden im immer gleichen Stadtviertel statt. Die Ausstattung der „Stadt der Diebe“ ist zum Großteil ausgesucht schön produziert, die Spielregeln sind kurz, prägnant, großzügig bebildert sowie mit ausreichend erklärenden Beispielsituationen ausgestattet und leicht verständlich (aber wieder einmal nur unzureichend praktisch gegliedert und ohne brauchbaren Index). Das Verhältnis zwischen strategischen Überlegungen und Zufall ist in Ordnung, eventuell wegen der verdeckt gezogenen Aktionskarten eine Spur näher beim Zufallsfaktor. Das Spiel könnte gut funktionieren, einige der vorgegebnen Szenarien klingen spannend, sogar verlockend. Allein, da die Grundsituation immer gleich bleibt und die Hauptaufgabe immer darin besteht, aus Häusern Schätze zu entwenden (fast immer weiß man auch schon vorher, was die Räume enthalten), und am Ende die Bande gewinnt, welche die meisten Dukaten zusammengetragen hat, unabhängig selbst davon, ob die Bande noch vollzählig ist, hält sich der Anreiz, erneut zu „Cadwallon – Stadt der Diebe“ zu greifen in Grenzen. Spätestens wenn man alle acht Grundszenarien durchgespielt hat (sofern man tatsächlich so lange bei der Stange bleibt), wird man das Spiel kaum noch einmal aus dem Regal nehmen. Der Ehrgeiz reicht leider nicht einmal dafür aus, über Zusatzregeln nachzudenken. Die Anschaffung lohnt sich als Neuerwerb somit in erster Linie, um der hübschen Figuren habhaft zu werden. Vielleicht denken die Autoren Bernard (Affenparty, Jumbo 2003) und Pouchain (Okko, Asmodée 2008) ja doch noch über eine vernünftige Regeländerung nach.

 

Martina & Martin Lhotzky, Marcus Steinwender

 

Spieler         : 2 – 4

Alter            : ab 12 Jahren

Dauer           : ca. 60 min

 

Autor           : Pascal Bernard, Laurent Pouchain

Grafik          : Miguel Coimbra, Nicolas Fructus et al.

Titel            : Cadwallon City of Thives

Preis            : ab 45 Euro

Verlag          : Dust Games / Truant Spiele 2010

                     www.truantspiele.de

                    

Genre                    : Bewegungs- und Sammelspiel

Zielgruppe             : Familie, Freunde

 

Version        : de

Regeln         : de en es fr it

Text im Spiel : ja

 

Kommentar:

Sehr schöne Ausstattung

Trotz verschiedener Szenarien immer ähnlicher Spielablauf

Durchaus schon ab 10 spielbar

 

Vergleichbar:

Schätze des Dunklen Turmes

 

Martin, Martina und Marcus:

Erlesenes Spielmaterial und ansprechende Szenarien verbinden sich leider nicht zu einem spannenden Spiel, auch wenn die Voraussetzungen da wären.

 

Meine Wertung: 4

 

Zufall                            2

Taktik                  2

Strategie__                 

Kreativität          

Wissen_              

Gedächtnis         

Kommunikation  

Interaktion                   2

Geschicklichkeit 

Action