ALONSO oder ES LEBE DAS GUTE

 

Alonso oder

Es lebe das Gute

Ein streitlustiges Würfelspiel

von Johannes Tranelis

für 4-6 Weltverbesserer

ab 8 Jahren

1989, Tranelis

Dieser Informationstext auf der Rolle (wie bei Tranelis üblich ist das Spiel in eine weiße Kartonrolle verpackt) riecht etwas nach Marktschreierei und Familien-Glücksspiel a la Spiel des Lebens (mir fällt momentan nichts Passenderes ein).

Öffnet man die Schachtel, so findet man hochwertiges Spielmaterial:

Einen Spielplan aus Skai, der ein Raster zeigt, das einem Maschendrahtzaun mit Beschädigung nicht unähnlich ist, sechs große Holzfiguren, einen "Schauplatz" (Holzscheibe) "Siegeskränze" (Ringe aus Holz, die man den Figuren umhängen kann).

Die Spielregel ist vom Format her etwas zu breit geraten; sie rollt sich ein, was die Lesbarkeit stark erschwert (außer man macht immer beim Öffnen die Fleißaufgabe, sie zu glätten).

Die Spielregeln sind einfach und schnell erklärt. Man stellt seine Figur auf eine beliebige Kreuzung (man zieht immer auf dem Draht, nicht in den Löchern), der jüngste Spieler legt den "Schauplatz" auf einen Punkt des Spielplanes und benennt den Schauplatz (in der Spielregel heißt das Beispiel: "Der Rhein").

Die Spieler würfeln und ziehen ihre Figuren auf den Schauplatz zu. Der erste Spieler, der ihn erreicht, muß alles versuchen, um den Schauplatz madig zu machen, sprich: alle schlechten Sachen die ihm zu diesem Thema einfallen, aufzeigen. Der zweite Spieler am Schauplatz hat die Rolle des Schönfärbers zu übernehmen und alles als gut und richtig zu verkaufen. Der dritte Spieler ist der "Mitläufer", er muß sich einem der beiden Standpunkte anschließen. Der Rest der Spieler entscheidet nun, welche der beiden Parteien überzeugender argumentiert und damit den Streit gewonnen hat. Der Sieger erhält einen "Kranz"; falls der "Mitläufer" auf das richtige Pferd Gesetzt hat, erhält er auch einen.

Danach wandert der Schauplatz auf einen anderen Punkt, das Thema wechselt und es geht von vorne los. Wer zuerst drei "Kränze" gesammelt hat, ist der Sieger.

Soweit zur Spielregel. Schwieriger wird es nun, eine subjektive Stellungnahme zu formulieren. Alonso ist meiner Meinung nach leider kein Spiel im engeren Sinn (Es würden Strohhalme genügen, um die drei Kontrahenten zu ermitteln) und birgt auch einige Gefahren in sich: Erstens haben in einer durchschnittlichen Spielrunde immer ein oder zwei Spieler eine ausgefeiltere Rhetorik als der Rest, was bei diesem Spiel sicher sehr wichtig ist (im Gegensatz etwa zu Auf Achse oder DKT), zweitens sind die bewertenden Spieler sicher nicht daran interessiert, einen gewinnen zu lassen, der bereits zwei Kränze hat wenn der Gegner mit einem Kranz noch nicht gewinnen würde (sicher keine sportliche Handlungsweise, aber verständlich) und drittens ist eben die Ausstattung für ein Kein-Spiel zu aufwendig (sprich: teuer), wenn auch sehr solide.

Was bleibt ist die Tatsache, daß hier aus einer Idee, die für Rhetorik- und Diskussionsschulungen elementar ist, ein nicht einwandfrei spielbares, verflachtes System geworden ist, für das ich auch keine WlN-Wertung auflisten kann.