UNSERE REZENSION

 

Arche Bauen

 

Ark & Noah

 

Tiere unterbringen und füttern

 

Die Arche und die Sintflut, ein viel diskutiertes Thema, hat man doch angeblich die Überreste des Bootes in Ostanatolien im Gebirge Ararat in der Türkei gefunden. Die Deutungen der Sintflut gehen in Richtung eines Tsunami oder einer Springflut, warum aber eine Familie ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ein Boot gebaut hat um Tiere zu retten, das bleibt wohl eines der Geheimnisse des Alten Testaments.

Viele meiner geschätzten Leser wissen, ich grabe an dieser Stelle gerne in der Geschichte um Wissenswertes zu vermitteln, aber bei Themen die den Glauben betreffen und diesem Falle dem Glauben zweier Religionen, enthalte ich mich. In der heutigen Zeit tritt man zu schnell jemanden auf die Füße wenn man sich mit dem Glauben der Anderen auseinandersetzt. Darum wechseln wir gleich zum Spiel.

 

Die Arche besteht aus 4 Teilen, pro Mitspieler wird ein Teil verwendet und zur Arche zusammengesetzt. Jeder Spieler bekommt zu Beginn neben seiner Spielfigur 3 Stäbchen, die als Schiffswand oder Käfigwand fungieren, 2 schwarze Klötzchen, die als Pech in die Außenwand des Schiffes eingefügt werden und 2 Futterplättchen, denn die Tiere wollen auch ernährt werden.

 

Jeder Spieler zieht außerdem ein männliches und ein weibliches Tier aus den jeweiligen Beuteln. Sollte ein Spieler zu Beginn sofort ein passendes Paar ziehen muss er eines davon wieder zurückgeben und ein neues ziehen. Passende Paare bei verschiedenen Spielern sind aber erlaubt. Sollten weniger als 4 Spieler teilnehmen, müssen einige Tiere entfernt werden.

Abgesehen von der Arche gibt es noch ein Aktionstableau. Auf diesem sind 7 verschiedene Aktionen vermerkt und es befindet sich darauf auch die Rundenleiste. Die Spieler entscheiden sich für einen Startspieler und die Figuren werden in der vereinbarten Reihenfolge aufgestellt.

 

Jede Runde besteht aus zwei Phasen, der Aktionswahl und deren Ausführung. Der Spieler, dessen Figur am Aktionstableau am weitesten links steht nimmt diese und platziert sie auf eine der 7 Aktionen, die anderen folgen ihm nach. Jede Aktion darf nur von einem Spieler gewählt werden und Aktionen, die in dieser Runde nicht gewählt wurden bekommen einen Siegpunkt als Bonus, damit es in der kommenden Runde einen größeren Anreiz gibt diese Aktion zu nehmen. Es kann maximal einen Bonus von 4 Punkten geben.

 

Mit Ausnahme der 4. Aktion mit der Farbe Grün, hat jede Aktion ein Feld für denjenigen, der es gewählt hat, und eines für alle anderen. So bekommt der aktive Spieler 3 Pechklötzchen und alle anderen eines. Bei den Futterplättchen ist es ebenso, bei den Stäbchen bekommt er vier und die anderen nur zwei. Eine Aktion erlaubt es dem aktiven Spieler bei vier Spielern, 2 männliche und 2 weibliche Tiere aus den Beuteln zu ziehen. Er darf sich das erste aussuchen, die restlichen Spieler folgen in der Zugreihenfolge.

 

An dieser Stelle hat die Regel nicht unbedingt eine Schwachstelle aber sie erklärt sich nur umständlich über ein Beispiel. Es dreht sich um die Zugreihenfolge. Die Zugreihenfolge ist immer von Aktion 1 bis 7. Das heißt sollte Aktion 6 durchgeführt werden, kommt der Spieler der sie gewählt als Erster und dann greift die Reihenfolge von 1 bis 7. Ich erwähne es deswegen, da es einige Diskussionen deswegen gab.

 

In der Aktion 4 darf der Spieler alleine, entweder einen Siegpunkt, ein Stäbchen, ein Futterplättchen oder ein Pechklötzchen wählen und zusätzlich entweder zwei Stäbchen in der Arche vertauschen oder drei Tiere ziehen und aus den gezogenen und denen in seinem Vorrat wieder drei zurückgeben. Tiere, deren Partner bereits auf dem Tisch liegt, dürfen nicht getauscht werden. Um das besser darzustellen sind die Plättchen der Tiere auf der Rückseite in schwarz/weiß und man dreht sie einfach um wenn beide Teile des Paares auf dem Tisch liegen.

 

In der Aktion 6 wird an der Arche gebaut. Der Spieler welcher die Aktion gewählt hat, darf 8 Stäbchen oder Pechklötzchen in die Arche legen. Das Pech kommt nur an die Außenwände des Schiffes und es darf erst gelegt werden wenn zwischen zwei Stäbchen ein entsprechender Platz frei ist. Die nachfolgenden Spieler dürfen nur 5 Stäbchen oder Klötzchen legen.

 

Für jedes Stäbchen oder Klötzchen das man gelegt hat bekommt man einen Siegpunkt. Wie man die Wände der Käfige baut bleibt jedem selbst überlassen, die einzige Einschränkung ist, dass fertig gebaute Käfige nicht mehr unterteilt werden dürfen und sinnlos liegende Stäbchen in fertigen Käfigen entfernt werden. Ob ein Käfig der an die Außenwand des Schiffes grenzt, fertig ist wenn nur die Wände stehen oder aber auch die Fugen mit Pech gefüllt sein müssen, lässt die Regel offen. Auch ein Punkt den man vor dem Spiel erörtern sollte.

 

Kommen wir zur 7. und wichtigsten Aktion des Spieles, denn hier gibt es die meisten Siegpunkte zu holen, das Beladen der Arche. Der aktive Spieler bekommt 8 Ladepunkte, die anderen 5. Man kann in fertige Käfige, wo einem selbst mindestens eine Wand gehört, auf jedes Feld ein Futterplättchen legen, dies bringt einen Siegpunkt pro Plättchen. Um Tiere zu laden muss man gewisse Voraussetzungen erfüllen.

 

Abgesehen davon das der Käfig fertig sein muss und jedes Feld ein Futterplättchen braucht, muss der Käfig die exakte Größe für das Tierpaar haben. Wie groß der Käfig sein muss, ist auf dem Tierplättchen vermerkt. Außerdem darf in jedem Käfig nur ein Tierpaar sein, die Ausnahme bilden hier die Tierpaare mit der Zahl Null, sogenannte Kleintierpaare. In jedem Käfig darf zusätzlich ein solches Paar liegen.

 

Um Tierpaare zu laden muss man Ladepunkte in der Größe des Tieres ausgeben. Die Zahl für die Größe ist auch die Zahl für die Größe des Käfigs. Natürlich muss das passende Männchen oder Weibchen auf dem Tisch liegen, das kann auch bei einem anderen Mitspieler sein. Für Tiere die von anderen Spielern kommen, braucht man keine Ladepunkte. Der Käfig muss mindestens eine Wand in der Farbe des aktiven Spielers beinhalten.

 

Die Siegpunkte der Tiere sind auf den Plättchen vermerkt und immer doppelt so hoch wie die Größe. Der Spieler der das Tier geliefert hat, bekommt auch die Punkte. Für die Käfigwände des betroffenen Käfigs bekommt jeder Spieler der daran beteiligt ist einen Siegpunkt. Sollten auch noch Pechklötzchen in der Außenwand verbaut sein, dann gibt es hier auch noch jeweils einen Punkt für den aktiven Spieler.

 

Das Laden von Kleintierpaaren bringt keine Siegpunkte für die Tiere, kostet aber auch keine Ladepunkte. Die Punkte für die Wände und das Pech werden aber nochmals für alle beteiligten Spieler ausgeschüttet.

 

Der Rundenanzeiger wird ein Feld weitergezogen und beginnend bei dem Spieler der am weitesten links auf dem Aktionstableau steht, startet die nächste Runde. Wenn entweder 10 komplette Runden gespielt wurden oder alle Außenwände der Arche gebaut wurden, endet das Spiel. Die Außenwand muss nicht mit Pech verfugt sein.

 

Im zweiten Fall endet das Spiel mit dem Legen der letzten Außenwand und beginnend beim Spieler mit den wenigsten Siegpunkten darf noch jeder Spieler Futterplättchen in Käfige legen, auch wenn keine Wand von seiner Farbe ist. Danach wieder beim Spieler mit den wenigsten Siegpunkten beginnend versucht jeder Tierpaare auf das Schiff zu bringen, wiederum auch in Käfige ohne farblicher Beteiligung. In dieser Phase gibt es keine Siegpunkte mehr zu gewinnen.

 

Bei der Schlusswertung bekommt der Spieler mit den meisten Außenwänden der Arche 5 Punkte. Jeder verliert einen Punkt pro Käfigwand, Pechklötzchen und Futterplättchen, die er noch im Vorrat vor sich liegen hat. Außerdem verliert jeder Punkte für die Tiere die noch vor einem liegen, die Größe des Tieres gibt den Verlust vor. Wer die meisten Punkte hat gewinnt und es gibt bei Gleichstand eine Teilung des Sieges.

 

Der Autor Stefano Groppi hat, nach seinem Erstlingswerk Florenza, mit Ark&Noah ein gutes, ja vielleicht sogar sehr gutes Spiel nachgeliefert. Das Spiel zeichnet sich durch einen selbst erklärenden schnellen Einstieg aus und auch nach mehreren Partien kommt keine Langeweile auf, denn durch das Aktionstableau ist man abhängig davon was der Spieler vor einem wählt und muss somit seine Strategie ständig anpassen.

 

Das gestaltet es abwechslungsreich. Einige wenige Kritikpunkte sind die Regel, die sich in zwei Fällen nur umständlich über Beispiele erklärt und diese in einer Litanei geschrieben sind. Ich muss für meinen Teil gestehen, ich habe beide Punkte mehrfach überlesen.

 

Die Stäbchen für die Wände könnten dicker sein, man hat eher das Gefühl man baut Wände aus Balsaholz als aus Eiche. Abgesehen davon, stellt sich mir immer noch die Frage warum Japhet, einer der Söhne Noahs, aussieht wie Anakin Skywalker aus den Clone Wars, den Zeichentrickfilmen zu Star Wars. Zumindest war das die erste Assoziation meiner Kinder als ich die Schachtel das erste Mal öffnete.

 

Die Grafik ist ordentlich, dass die Personen sehr kantige Züge tragen ist Geschmacksache, hat aber keinen Einfluss auf das Spiel. Herauszustreichen ist die Komplexität in einigen Phasen des Spiels. Man muss phasenweise auf sehr viele Dinge achten. Hat man ausreichend Ladepunkte um auch Futter in die Käfige zu bringen, spreche ich mich da vielleicht besser mit dem Inhaber des anderen Tieres ab und ist dies überhaupt erlaubt? Wen gehören die Wände im Käfig und vor allem -ganz wichtig - ist eine davon meine?

 

Eine überaus wichtige Frage ist auch, welche Teile bleiben am Ende übrig und bringen Minuspunkte und wie sieht die Spielreihenfolge aus? Dies ist alles im ersten Spiel nicht erfassbar und man benötigt schon eine zweite Partie. Diese war bei uns 90 Minuten lang und somit 30 Minuten länger als die erste, überraschenderweise, aber wir haben halt mehr gegrübelt.

 

So mancher wird jetzt meinen, man wird gespielt, aber dem ist nicht so oder zumindest nicht in einem Ausmaß, dass es spielentscheidend ist. Wie bei allen Spielen mit ähnlichen Mechanismen kann das Spiel natürlich kippen indem vermehrt destruktive Züge gesetzt werden. Aber wenn einer stören oder zerstören will, dann besteht kaum kein Spiel.

 

Durch das Verkleinern des Schiffes, Reduzieren der Tiere insgesamt und auch beim Nachziehen ist es auch für 2 und 3 Spieler interessant im Spielverlauf.

 

Was mir bei dem Spiel aber besonders gefällt ist das positive Thema. Retten wir doch Tiere und das unterliegt keiner Konfession, sondern ist ein Thema das keinem Geschlecht oder Alter untergeordnet ist. Somit eignet es sich hervorragend für die ganze Familie, denn selbst diejenigen die schlecht taktieren und für dem Sieg nicht mitreden, sie retten immer noch Tiere.

 

Mir hat es gefallen, meine Familie war begeistert und ich werde es mir wohl wieder organisieren müssen, denn sie haben schon nachgefragt wann wir wieder Tiere vor dem bösen Wasser retten.

 

Kurt Schellenbauer

 

Spieler: 2-4

Alter: 8+

Dauer: 60+

Autor: Stefano Groppi

Grafik: Ivan Zoni, Paolo Vallerga

Preis: ca. 35 Euro

Verlag: Placentia Games 2012

Web: www.placentiagames.it

Genre: Bau- und Worker placement Spiel

Zielgruppe: Für Familien

Spezial: 2 Spieler

Version: multi

Regeln: de en fr it

Text im Spiel: nein

 

Kommentar:

klare Regeln

Regeln für zwei Schwierigkeitsstufen

Schiffsgröße, Material und Regeln auch für 2 und 3 Spieler

schneller Einstieg

taktische Tiefe

 

Vergleichbar:

Einfache Worker Placement Spiele mit etwas Ressourcenmanagement

 

Andere Ausgaben:

Elfin Werks, USA

 

Meine Einschätzung: 6

 

Kurt Schellenbauer:

Sehr gelungene Umsetzung des Sintflut-Themas aus dem Alten Testament. Auch Personen die nicht dem jüdischen oder christlichen Glauben angehören werden ihre Freude daran haben, die Käfige und in weiterer Folge die Arche zu bauen um Tierpaare zu retten.

 

Zufall (rosa): 1

Taktik (türkis): 2

Strategie (blau): 2

Kreativität (dunkelblau): 0

Wissen (gelb): 0

Gedächtnis (orange): 0

Kommunikation (rot): 1

Interaktion (braun): 2

Geschicklichkeit (grün): 0

Action (dunkelgrün): 0