Für Experten

 

In der Zeit des Dampfes

 

Steam

 

Ein klassisches Eisenbahnspiel

 

Kid                       

Family                  

Friends                 

Expert                   ein    

 

Alter                    

Spezial                 

                  

2002 publizierte der kleine auf Eisenbahnspiele spezialisierte Verlag Winsome Games das erste Age of Steam von Martin Wallace. Damit wurde eine der bedeutendsten Eisenbahnspielserien begründet. Nur 18xx kann mit ähnlich vielen Varianten und Zusatzkarten aufwarten. Es folgten zahlreiche Zusatzkarten und auch das Basisspiel wurde von größeren Verlagen neu aufgelegt. Doch dann zerstritten sich Verleger und Autor. Es folgte ein jahrelanger und teurer Rechtstreit um die Rechte an Age of Steam. Ich werde mich hüten einen Kommentar darüber abzugeben, wer Interesse am Thema hat, kann im Internet einiges darüber nachlesen, auf englischsprachigen Brettspielseiten haben sich auch die beteiligten Parteien mehrmals geäußert.

Age of Steam war mittlerweile längst ausverkauft und nur noch zu überteuerten Preisen am Secondhandmarkt erhältlich.

2009 erschien dann endlich die langersehnte Neuauflage, das heißt eigentlich gleich zwei. Denn sowohl Verleger, unter dem Titel Age of Steam bei Eagle Games/Pegasus Spiele, als auch Autor, unter dem Titel Steam bei Mayfair Games/Phalanx Games, brachten neue Auflagen auf den Markt. Beide können mit überarbeiteten Regelwerk und neu gestaltetem Spielmaterial aufwarten. Bei Steam wurden auch einige Regeln geändert, wodurch es sich durchaus um ein neues Spiel und nicht nur um eine Neuauflage handelt. An den grundlegenden Mechanismen und am Spielgefühl änderte sich allerdings nichts. Ferner enthält Steam neben den Regeln für das Expertenspiel, das Age of Steam ähnlich ist, Regeln für ein vereinfachtes Grundspiel, das in der Komplexität eher an den Age of Steam-Ableger Railroad Tycoon angelehnt ist. Die folgende Regelzusammenfassung bezieht sich auf das Expertenspiel.

 

Das Spiel läuft über mehrere gleich ablaufende Runden, deren Anzahl spielerzahlabhängig ist. Jede Runde besteht aus mehreren Phasen.

Zuerst können die Spieler Kapital erwerben. Die Spieler können beliebig viel Geld aufnehmen. Da die Spieler ohne Geld anfangen ist dies auch zwingend notwendig. Im späteren Verlauf einer Runde ist es nicht mehr möglich Geld aufzunehmen, andererseits müssen für das aufgenommene Kapital Zinsen gezahlt werden, pro $5 muss das Einkommen um $1 reduzieren werden. Daher sollte man die Kapitalaufnahme gut kalkulieren.

In der zweiten Phase wird die Spielerreihenfolge festgelegt. Dies geschieht durch eine Versteigerung. Reihum müssen die Spieler das aktuelle Gebot überbieten oder passen. Wer passt setzt seinen Markierungsstein auf den hintersten freien Platz in der Spielerreihenfolge und bezahlt sein letztes eigenes Gebot. Allerdings müssen nur die ersten Beiden ihr Gebot voll bezahlen. Der Letzte bezahlt gar nichts, alle anderen nur die Hälfte, jedoch aufgerundet. Diese Reihenfolge gilt dann für eine komplette Runde.

In der dritten Phase werden Aktionsplättchen gewählt. Jedes ist nur einmal vorhanden und verschafft den Spielern unterschiedliche Vorteile.

In der vierten Phase können neue Eisenbahnstrecken gebaut werden. Der Spielplan zeigt eine in hexagonale Felder unterteilte Karte mit verschiedenfarbigen Städten. Bis zu drei Eisenbahnplättchen können gelegt werden um die Städte miteinander zu verbinden. Je nach Gelände sind dafür unterschiedliche Kosten zu bezahlen. Jede gebaute Strecke wird mit einer eigenen Farbscheibe markiert. Eine fertige Strecke zwischen zwei Städte wird Verbindung genannt.

Diese Verbindungen können dann in Phase fünf benutzt werden um Waren zu transportieren. Die Waren werden durch kleine farbige Würfel symbolisiert, die anfangs zufällig auf die Städte verteilt werden. Ziel ist es die Würfel in Städte der gleichen Farbe zu transportieren. Für jede eigene Verbindung die dabei benutzt wird bekommt der Spieler einen Punkt auf der Siegpunkt- oder Einkommensleiste gutgeschrieben. Fremde Verbindungen können auch benutzt werden, wenngleich nie mehr als eigene, allerdings bekommt diese Punkte der jeweilige Besitzer gutgeschrieben. Die maximale Anzahl an Verbindungen, die für einen Transport benutzt werden darf entspricht der Ausbaustufe der eigenen Lok, anfangs 1, maximal 6. Statt einer Lieferung, man hat 2 pro Runde, darf man die Lok um eine Stufe verbessern.

In der letzten Phase wird das aktuelle Einkommen ausbezahlt. Vom aktuellen Wert auf der Einkommensleiste werden noch Erhaltungskosten für die Lok abgezogen, welche der aktuellen Ausbaustufe entsprechen. Der resultierende Wert kann natürlich auch negativ sein. Sollte der Spieler nicht genug Geld geblieben sein um seine Schuld zu begleichen, werden für je $2 ein Siegpunkt abgezogen, oder ein Punkt auf der Einkommensleiste. Sollte ein Spieler derart auf 0 Siegpunkten und -10 Einkommen landen, geht seine Gesellschaft bankrott und der Spieler scheidet aus dem Spiel aus.

Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten, wobei es noch Siegpunkte für jede fertige Verbindung und Einkommen am Ende des Spiels gibt.

 

Im Grundspiel gibt es keine erste Phase, Geld kann jederzeit zu denselben Konditionen aufgenommen werden, die Phasen zwei und drei verschmelzen zu einer einzelnen Phase. Die Versteigerung um die Spielreihenfolge entfällt, dafür bekommen die Aktionsplättchen eine weitere Bedeutung. Sie legen nämlich die Reihenfolge fest. Wer eine schwächere Aktion wählt kommt früher dran, die besseren später. Das Spiel wird dadurch einfacher. Das Vorauskalkulieren, wie viel Geld benötigt wird fällt weg, genauso wie die manchmal mühsame Versteigerung. Dafür gewinnt es mit der komplexeren Aktionsplättchenwahl anderswo an Tiefe, denn manchmal ist es ratsam nicht die beste Aktion zu wählen, um dafür früher an der Reihe zu sein.

 

Steam kommt in einer relativ großen, aber gut gefüllten Box. Das Spielmaterial genügt allen Ansprüchen. Zahlreiche Holzspielsteine, schön bedruckte Kartonteile und eine gute, übersichtliche Anleitung erfreuen jedes Spielerherz. Der vorliegenden Testversion wurde sogar ein ganzer Beutel voll unnötigem Spielmaterial beigelegt. Das Spielmaterial reicht für sechs Spieler. Grundsätzlich ist Steam mit 2-6 Spielern spielbar, allerdings sind die zwei in der Basisbox vorhandenen Karten nur für 3-5 Spieler geeignet. In der Anleitung wird darauf verwiesen dass für zwei oder sechs Spieler Zusatzkarten benötigt werden. Mittlerweile ist die erste offizielle Erweiterung Steam Barons erschienen, die zwei Karten für sechs Spieler enthält. Außerdem können die zahlreichen Karten für Age of Steam, teilweise mit kleinen Adaptionen, verwendet werden.

Insgesamt bietet Steam sehr viel für Freunde von komplexen Eisenbahn-/Wirtschaftsspielen. Die Mechanismen haben sich über die Jahre hinweg bewährt, nicht umsonst erscheinen nach wie vor, Jahr für Jahr zahlreiche Zusatzkarten für Age of Steam. Kein anderes Spielsystem kommt dem großen König des Genres, 18xx, so nahe. Der spielerische Reiz ist enorm, wenngleich eher taktischer denn strategischer Natur. Dabei ist die Spieldauer mit angegebenen zwei Stunden, für geübte Spieler durchaus machbar, zwar abendfüllend, aber deutlich geringer als bei 18xx.

Das Expertenspiel von Steam unterscheidet sich von Age of Steam nur marginal. Welches bevorzugt wird, ist wohl in erster Linie Geschmackssache. Als kleinen Bonus hat Steam noch das Grundspiel, welches obwohl etwas einfacher, auch für Experten durchaus interessant und eine willkommene Abwechslung ist. Der größte Bonus für das originale Age of Steam sind wohl die zahlreichen schon vorhandenen Zusatzkarten, die darauf abgestimmt sind. Beide zu erwerben ist wohl nur Sammlern und Fans anzuraten.

 

Markus Wawra

 

Spieler         : 3-5

Alter            : ab 12 Jahren

Dauer           : ca. 2 Stunden

 

Autor           : Martin Wallace

Grafik          : Christopher Moeller, Craig Hamilton, Jared Blando, John Austin

Vertrieb A    : Heidelberger

Preis            : ca. 40,00 €

Verlag          : Phalanx / Mayfair 2009

                     www.phalanxgames.de

 

Genre                    : Eisenbahn-/Wirtschaftsspiel

Zielgruppe             : Für Experten

Mechanismen         : Strecken bauen und Waren liefern

 

Zufall                     :

Wissen/Gedächtnis  :

Planung                 : 7

Kreativität              :

Kommunikation      : 6

Geschicklichkeit      :

Action                   :

 

Kommentar: bewährte, anspruchsvolle Mechanismen

hohe Interaktion, dennoch planbar

übersichtliche Spielregeln

üppiges Spielmaterial

 

Vergleichbar:

Age of Steam, Railroad Tycoon, Railways of the World, 18xx

 

Atmosphäre: 6

 

Markus Wawra:

Ein Muss für jeden Fan von komplexen Eisenbahn-/Wirschaftsspielen! Es sei denn man besitzt schon Age of Steam.