UNSERE REZENSION

 

Wettlauf durch das Sonnensystem

 

Kosmonauts

 

Schub! Schub! ... Das war zu viel!

 

Russische Autoren, portugiesischer Verlag, nicht unbedingt eine klassische Kombination in der Brettspielszene, aber nur ein weiterer Auswuchs der fortschreitenden Globalisierung die in der Brettspielwelt schon sein einigen Jahren unübersehbar voranschreitet und dabei immer variantenreicher wird.

Die beiden Autoren Nadezhda Penkrat und Yury Yamshchikov waren mir bisher noch nicht bekannt. Der Verlag mesaboardgames ist in den letzten Jahren schon mit Vintage und Caravelas aufgefallen. Letzteres ist wie Kosmonauts ein Rennspiel ohne großen Zufallsfaktor. Waren es bei Caravelas noch Schiffe die durch die Weltmeere segeln, sind es bei Kosmonauts Raumschiffe die wir besteigen um damit all die schönen Planeten zu besuchen die um die Sonne kreisen.

Der Spielplan ist in Hexfelder unterteilt und zeigt unser Sonnensystem mit der Sonne in der Mitte und den acht Planeten die die Sonne auf eingezeichneten Kreisbahnen umrunden, die kürzliche Degradierung des Pluto ist also auch hier berücksichtigt. Dazu sind auf dem Spielplan Felder markiert. Die Planeten sind durch Holzscheiben dargestellt die sich jede Runde von einem Feld zum nächsten bewegen. Zu den Planeten gesellt sich noch, in gleicher Weise, der Halleysche Komet. Wo auf ihrer Umlaufbahn die Planeten anfangs platziert werden ist den Spielern überlassen.

Jeder der zwei bis vier Spieler erhält eine Rakete (Spielertableau), vollgetankt mit Treibstoff (dargestellt durch rote und gelbe Holzwürfel) und drei graue Energieschildwürfel, außerdem wird diese Rakete durch einen farbigen Spielstein auf dem Spielplan symbolisiert der auf die Erde gelegt wird.

Neben dem Spielplan werden noch die Siegpunktchips und die Ereigniskarten bereitgelegt. Außerdem erhält jeder Spieler drei Zielkarten. Diese bringen Extrapunkte wenn der Spieler den darauf angegebenen Planeten als erster (1 Karte), oder zweiter (2 Karten) erreicht.

Dann brauchen wir nur noch einen Startspieler und das Spiel kann losgehen.

Das Spiel geht Rundenweise, der Startspieler wechselt jede Runde.

Die erste Phase jeder Runde ist die Ereignisphase. Der Startspieler wählt dazu eine der 3 ausliegenden Ereigniskarten, die immer alle Spieler betreffen, aus. Im Wesentlichen gibt es 2 Arten von Ereigniskarten. Entweder beeinflussen sie die Flugbahn der Raketen indem sie ihnen Schub in die eine oder andere Richtung geben, oder sie bringen oder kosten den Spieler Treibstoff oder Energieschildwürfel. Die Karten können also sowohl positiv als auch negativ sein, auch oft von der aktuellen Position und der Richtung des nächsten Ziels abhängig. Grundsätzlich gilt aber dass alle schlechten Ereignisse durch das Abgeben eines Energieschildwürfels neutralisiert werden können. Manche positive Karten kosten einen Energieschildwürfel um sie überhaupt nutzen zu dürfen.

Danach fliegen die Raketen der Spieler. Dazu hat jeder eine Steuerkonsole. In diese Steuerkonsole können jede Runde 3 Treibstoffwürfel auf die 6 Richtungsfeder gelegt werden um der Rakete Schub zu geben. Für jeden gelben Würfel wird die Rakete dann ein Feld in die entsprechende Richtung  bewegt. Die wertvollen roten Hypertreibstoffwürfel bewegen die Rakete sogar um 2 Felder. Zu beachten ist dass wir uns im Weltall befinden und es somit nichts gibt, was unsere Raketen bremsen könnte, abgesehen von Planeten. Daher bleiben die Schubwürfel der letzten Runde auch liegen.

Erreicht ein Spieler das Feld eines Planeten, kann er darauf landen und nimmt sich dafür das höchste noch erhältliche Siegpunktplättchen für diesen Planeten (Es gibt für jeden Planeten, außer der Erde 4 Plättchen mit 1 bis 4 Siegpunkten) und entfernt alle Treibstoffwürfel aus der Steuerkonsole.

Alternativ zum Bewegen können Spieler deren Rakete auf einem Planeten gelandet ist auch auftanken. Dann dürfen die Treibstofftanks der Rakete mit einem roten und bis zum Limit gelben Würfel wieder befüllt werden.

Danach bewegen sich alle Planeten entlang ihrer Umlaufbahn auf das nächste markierte Feld. Auch dabei ist es Spielern möglich auf einem Planeten zu landen wenn sie auf den Planeten auf dessen Zielfeld warten.

Das Spiel endet am Ende der Runde in der ein Spieler alle außer einem Planeten besucht hat und auf die Erde zurückgekehrt ist. Alle Spieler die dies in dieser Runde erreichen bekommen dafür nochmal einen Zweisiegpunktechip. Dann müssen nur noch alle Siegpunkte zusammengezählt werden und der Sieger steht fest. Das Ganze dauert ungefähr eine Stunde. Im Internet finden sich auch Expertenregeln die das Spiel etwas schwieriger, aber auch kürzer (tatsächlich, das ist kein Schreibfehler!) machen.

Vorwerfen könnte man dem Spiel, dass die Bewegung sehr berechenbar ist. Den einzig unberechenbaren Faktor bringen die Ereigniskarten ins Spiel, der aber oft nicht zu vernachlässigen ist. Außerdem sorgt die Interaktion mit den Mitspielern dafür dass das Ganze nicht langweilig wird. Gerade die Zielkarten für die zweiten Plätze, die beachtliche vier Siegpunkte bringen, sind kaum vorausberechenbar, denn wer weiß schon wann sich endlich ein Mitspieler aufmacht um den Planeten als Erster zu besuchen. Dass man es tatsächlich dann als Zweiter schafft ist aber natürlich auch mit Glück verbunden.

Das Spiel ist hübsch und übersichtlich gestaltet und auch die Spielanleitung lässt keine Regelfragen offen. Die Regeln sind schnell erklärt und sofern keine großen Tüftler am Tisch sitzen ergibt sich ein kurzweiliges Rennspiel. Zudem hat Kosmonauts fast schon Potential, als Lernspiel eingesetzt zu werden um das Einmaleins der Astronomie zu vermitteln: Sonnensystem, Planetenbewegung und Impulserhaltung, alles enthalten und halbwegs korrekt umgesetzt.

 

Markus Wawra

 

Spieler: 2-4

Alter: 8+

Dauer: 60min

Autor: Nadezhda Penkrat und Yury Yamshchikov

Grafik: Filipe Alves und Gil d'Orey

Preis: etwa 30 Euro

Verlag: Mebo/Mesaboardgames 2012

Web: www.mesaboardgames.pt

Genre: Rennspiel

User: Für Familien

Version: de

Regeln: de en

Text im Spiel: nein

 

Kommentar:

Übersichtliche Gestaltung

hübsches, funktionales Spielmaterial

kurzweiliger, großteils paralleler und spannender Spielverlauf

einfache und klar verständliche Spielregel

 

Vergleichbar:

Caravelas, Hase & Igel, Formula 1 und andere Rennspiele

 

Andere Ausgaben:

In Russisch bei RBG/Rightgames

 

Gesamt: 5/7

 

Persönlicher Kommentar:

Ein kurzweiliges Rennspiel mittlerer Spieldauer dass ich sowohl Viel- als auch Gelegenheitsspielern empfehlen möchte.

 

Zufall (rosa): 1

Taktik (türkis): 3

Strategie (blau): 1

Kreativität (dunkelblau): 0

Wissen (gelb): 0

Gedächtnis (orange): 0

Kommunikation (rot): 0

Interaktion (braun): 2

Geschicklichkeit (grün): 0

Action (dunkelgrün): 0