UNSERE REZENSION

 

SEASONS

EIN SPIEL MIT VIEL GLÜCK IM SPIEL

 

Als ich von den grundlegenden Konzepten in Seasons gehört habe, war ich sehr neugierig darauf, es so schnell wie möglich zu testen; ein Spiel, das eine Phase von Card drafting wie in 7 Wonders mit einem Ressourcensammelmechanismus mit Würfel und dem Nutzen von Karten für Spezialaktionen wie in Magic kombiniert, sollte einen gewissen Reiz bieten, dachte ich.

 

Also haben wir uns beeilt um Seasons auf den Spieltisch zu bekommen und haben es einige Male ausprobiert; aber leider muss ich zugeben, dass es NICHT MEIN Spiel ist, und die Abschlussbemerkung am Ende dieser Besprechung wird meine Enttäuschung wiedergeben. Hätte das Spiel eine Dauer von, sagen wir, 30-45 Minuten wie 7 Wonders, hätte meine Bewertung wahrscheinlich ein paar Punkte mehr: Aber wenn das Spiel neu ist, muss man mit 2 Stunden für eine Partie Seasons rechnen und sogar nach vier oder fünf Spielen ist die Spieldauer sicher höher als die auf der Schachtel genannten 60 Minuten. Vermutlich kann man dieses Ziel von 60 Minuten erreichen, wenn man viele weitere Partien spielt, aber leider habe ich nach fünf Tests aufgegeben und ich glaube nicht, dass ich Seasons noch einmal spielen werde. Aber bitte, beachten Sie, das ist meine persönliche Meinung und einige der anderen am Test beteiligten Spieler haben das Spiel sehr gemocht – es ist einfach eine Geschmacksfrage.

 

Nach dieser heftigen Einleitung muss ich nun diese negative Meinung begründen und natürlich werde ich das tun, wenn ich erklärt habe, wie das Spiel funktioniert. Normalerweise schreibe ich nie Rezensionen, wenn ich ein Spiel nicht mag, da ich solche Spiele nach der ersten oder zweiten Partie nicht mehr spiele und daher meist nicht genug Erfahrung habe, um sie zu beurteilen. Aber Seasons hat ein tolles Rating auf BBG (7,73 in dem Moment, in dem ich das schreibe, im Oktober 2012) und einige meiner Freunde (alte Magic-Spieler) waren sehr begeistert davon.

 

In der einladend gestalteten Schachtel von Seasons findet sich ein “rundes” Brett, das das Verstreichen der Zeit (vier Jahreszeiten mit je drei Monaten) und den Verkaufskauf der verschiedenen Ressourcen zeigt (sie variieren in jeder Jahreszeit. Ein zweites Brett wird zum Festhalten der Siegpunkte, im Spiel Kristalle genannt, benutzt, und wir waren uns alle einig, dass das Brett dafür zu klein ist. Jeder Spieler hat noch ein individuelles Spielbrett auf dem man mit der Hilfe von drei Holzwürfeln die gesammelten Ressourcen und die Maximalanzahl der Powerkarten, die man haben darf, vermerkt. Dazu gibt es noch eine Bonusleiste, die dem Spieler am Ende gewisse Vorteile auf Kosten der Siegpunkte am Ende des Spiels verschaffen kann.

 

20 große Jahreszeiten-Würfel in vier Farben (Blau für Winter, Grün für Frühling, Gelb für Sommer und Rot für Herbst) werden benutzt, um anzuzeigen welche und wie viele Ressourcen in jeder Runde verfügbar sind und wie weit der Rundenmarker am Ende weitergezogen wird. Jeder Würfel hat eine andere Mischung von Symbolen und die Verfügbarkeit der einzelnen Ressourcen ändert sich von Farbe zu Farbe: So findet man zum Beispiel mehr grüne “Erde” Ressourcen auf den grünen Würfeln als auf den Würfeln anderer Farben, und so weiter. Vier Sätze runder Karton-Marker repräsentieren die vier Ressourcen (rot für Luft, blau für Wasser, gelb für Feuer und grün für Erde und man nimmt sie entsprechend dem Würfelresultat bzw. den Kartenstärken. Einige andere runde Marker werden genutzt, um die “Reserve” Karten für das zweite und dritte Jahr des Spiels zu markieren (mehr dazu später).

 

Und dann gibt es noch zwei Sätze von 50 Power Karten die das eigentliche Herz des Spiels darstellen, man nutzt sie um den Spielverlauf mit ihren Effekten zu verändern und um Siegpunkte zu sammeln. Die Karten kommen in den zwei Kategorien „Magische Gegenstände“ mit lila Symbol und „Gefolge“ mit orange Symbol.  Jede Karte hat einen Namen und zeigt ihre Kosten an Ressourcen und/oder Siegpunkten, wenn man sie spielen will, ihren Effekt und die Siegpunkte, Prestige Punkte genannt, die sie am Ende des Spiels einbringt.

 

Das Spiel hat drei Stufen: Anfänger, Standard und Fortgeschrittene. Der Unterschied der Stufen besteht in der Anzahl verschiedener Karten, die genutzt werden. Die Anfänger-Stufe nutzt nur einige der Karten von 1 bis 30 und die Auswahl ist für jeden Spieler mit neun Karten vorgegeben. Die Zauberer = Standard-Stufe nutzt alle Karten von 1 bis 30 und eine zufällige Verteilung von neun Karten an jeden Spieler; die Fortgeschrittenenstufe letztendlich, genannt Erzmagier, nutzt alle Karten einschließlich der komplexen Karten von 31 bis 50 und eine zufällige Zuteilung der neun Karten für jeden Spieler. Die ungenutzten Karten bilden das Reserve-Deck.

 

Das Spiel beginnt mit einer Draft Phase: Jeder Spieler schaut sich seine Karten an, wählt eine und gibt die restlichen an seinen linken Nachbar weiter, wählt eine weitere Karte usw. bis jeder wieder neun Karten hat. Dann teilt jeder seine neun Karten in drei Mini-Decks zu je drei Karten auf; die ersten nutzt man in Jahr Eins des Spiels, die nächsten drei kommen in Jahr Zwei ins Spiel und mit Beginn von Jahr Drei kommen die letzten drei Karten ins Spiel.

 

Der Spielaufbau wird mit dem Einsetzen des Rundenmarkers auf das erste Winterfeld beendet und ein Startspieler wird bestimmt: Er nimmt die fünf blauen Würfel (weniger bei zwei oder drei Spielern) und wirft sie. Dann wählt er einen der Würfel, danach wählen die anderen Spieler im Uhrzeigersinn: Der fünfte Würfel wird nicht genommen, aber die Augenzahl unter der Icon (13) gibt die Anzahl Felder an, die der Rundenmarke am Ende der Runde weitergeht.

 

Der erste Spieler führt die Aktionen seines Jahreszeitenwürfels aus: Er erhöht seinen Aufruf-Level (die Anzahl Karten, die er spielen kann), falls ein Stern auf dem Würfel zu sehen ist, und nimmt Ressourcenmarker oder eine neue Karte wie am Würfel angegeben.

Hat der gewählte Würfel einen Kreis um die Markierungen, kann der Spieler Ressourcen an die Bank verkaufen, für Siegpunkte entsprechend dem runden Brett für diese Ressource in dieser Jahreszeit (“Erde” Ressourcen bringen im Winter garantierte drei SP). Man kann auch eine Karte aus der Hand auf den Tisch spielen, wenn man schon die nötigen Ressourcen/SP beisammen hat.

 

Karten können auf drei Arten genutzt werden: In jeder Runde, wenn sie ein “Dauernd” Symbol haben; jede Runde “nach Aktivierung” durch Ressourcen oder SP mit einem Aktivierungssymbol; oder nur einmal mit einem “Sofort Spielen” Symbol.Wenn nötig kann man auch den Spezialbonus aktivieren, den man auf den individuellen Brettern zur Verfügung hat: tausche zwei Ressourcen für zwei andere; erhöhe den Wert der Aufruf-Leiste um eins; ziehe zwei Power Karten (nimm eine und wirf die andere ab). Der erste genutzte Bonus kostet 5 SP bei Spielende, der zweite 12 und der dritte 20; man kann jede Runde denselben Bonus nutzen oder jede Kombination, einmal pro Runde.

 

Die anderen Spieler machen genau dasselbe anhand ihrer Würfel und die Runde endet mit dem Weiterziehen des Rundenmarkers entsprechend den Augen am fünften Würfel. Dann wird der Startspielermarker weitergegeben und das Spiel geht wie beschrieben weiter. Wenn der Marker das letzte Herbstfeld passiert und zum ersten Mal wieder die Jahreszweit Winter erreicht, nehmen die Spieler ihre drei Karten für Jahr Zwei auf die Hand. Wenn der Marker zum zweiten Mal Winter erreicht nimmt man die letzten drei Karten dazu und wenn der Marker zum dritten Mal zu Winter kommt, endet das Spiel.

 

Wie sie schon erkannt haben, muss man die Karten sehr gut kennen, um wirklich auf Gewinnen hzu spielen, so wie in Magic, da man die best mögliche Kombination in der Draft Phase auswählen muss; hat man zu viele nutzlose Karten auf der Hand bekommt man nicht den besten Bonus und man wird sicher verlieren, auch wenn man einige zusätzliche Karten im Spielverlauf zieht. Leider sind auch diese Zusatzkarten einem Glücksfaktor unterworfen und zu oft hieß es an unserem Tisch „hurra“ wenn jemand gute Karten erwischte, oder „Mist …” wenn es miese Karten waren.

 

Man braucht auch gute Würfelwürfe im Spielverlauf um die passenden Ressourcen im richtigen Moment nehmen zu können; leider werden die besseren Resultate vom ersten oder zweiten Spieler genommen, also muss man mit dem zurechtkommen was übrig bleibt, aber natürlich kommt Murphys Law ins Spiel, wenn man Startspieler aus und garantiert, dass man nie die passenden Ergebnisse bekommt. Daher können manche nur zuschauen, wenn die Gegner gute Kombos zusammenstellen und sie damit angreifen, und warten, bis das Glücksengerl zu Hilfe kommt. Als Doktor / Ingenieur habe ich einiges über Wahrscheinlichkeitsgesetze gelernt, aber was Statistiken nicht erwähnen ist, dass man sich nie davon erholt, wenn man die erste Hälfte eines Spiels mit schlechten Würfen kämpft und daher die besten Karten nicht spielen kann, auch wenn das Glück in der zweiten Spielhälfte einkehrt.

 

Und Seasons ist leider eines dieser Spiele wo Glück sehr wichtig ist. Wie ich schon zu Beginn erwähnt habe, wäre es kein Problem, wenn man 30-40 Minuten mit dem Spiel verbringt, denn dann würde man sofort eine Revanche verlangen, aber wenn ich 80-90 Minuten mit den Unwägbarkeiten von Zufall verbringen muss, habe ich keine Lust von vorne anzufangen.

 

SEASONS hat natürlich seine guten Seite für Spieler, die diese Art von Spielen mögen; die meisten meiner Freunde waren es durchaus zu frieden nach dem zusammenstellen der Supercombos zu suchen und ihren Gegenspielern möglichst großen Schaden zuzufügen, und ich vergesse auch nicht, dass eine große Menge Enthusiasten auf BBG für Seasons gestimmt haben – also überlasse ich ihnen das Spiel und suche mir etwas mehr nach meinem Geschmack.

 

Pietro Cremona

 

Spieler: 2-4

Alter: 14+

Dauer: 90 minutes

Autor: Régis Bonnessée

Grafik: Xavier Gueniffey Durin

Preis: ca. 35 Euro

Verlag: Asterion 2012

Web: www.libellud.com#

Genre: Fantasy Karten- und Würfelspiel

Zielgruppe: Mit Freunden

Version: it

Regeln: de en fr it pl

Text im Spiel: ja

 

Kommentare:

Gute Ansätze

Umsetzung sehr glückslastig

Zu lange Spieldauer für ein so zufallsbetontes Spiel

Wer das mag, findet ein gutes Spiel

 

Vergleichbar:

Magic

 

Andere Ausgaben

Asmodee, Deutschland Libellud France, Rebel.pl

 

Meine Bewertung: 3/7

 

Pietro Cremona

Ein Spiel mit zu viel Glücksfaktor für meinen Geschmack, aber ich kann cerstehen, warum und dass es anderen gut gefällt!

 

Chance (pink): 3

Tactic (turquoise): 2

Strategy (blue): 1

Creativity (dark blue): 0

Knowledge (yellow): 0

Memory (orange): 0

Communication (red): 0

Interaction (brown): 2

Dexterity (green): 0

Action (dark green): 0