Der Herr der Ringe

 

Das Spiel:

Der Herr der Ringe

2-5 Spieler ab 10 Jahren

60 – 90 min

Autor: Reiner Knizia

Kosmos, 2000

 

Ähnliche Spiele:

Quest of the Magic Ring (T)

Abenteuer der kleinen Hobbits (T)

Ringgeister (T)

 

Die Win-Wertung:

** WW S III UU AA

 

Wer kennt sie nicht, die Geschichte? Was? Wirklich? Schämt euch. Das Buch ist absolute Pflichtlektüre für jeden Fantasyfan. Also gut, für alle Lesefaulen gebe ich einen kurzen Abriss vom Inhalt: Es gibt einen übermächtigen Ring (der Herr der Ringe), das ist also keine Person, und damit dieser Ring nicht in die Hände des superbösen Magiers Sauron fällt, soll er vernichtet werden. Von einer Gruppe niedlicher, kleiner, harmloser Hobbits. Und damit die Aufgabe nicht zu leicht wird, müssen sie den Ring nach Mordor, das Land Saurons, bringen und in den Vulkan werfen. Soviel sei verraten, den Rest müsst ihr selbst nachlesen. Eine etwas längere Zusammenfassung findet ihr zwar auch in der Spielregel, doch solltet ihr euch nicht um das Vergnügen des Buches bringen.

 

Als ich das Spiel das erste Mal in die Hand nahm, wurde mir gleich mitgeteilt, dass es sich um ein Kooperations-Spiel handelt. Sofort war die Enttäuschung da, weil ich bis heute noch kein kooperatives Spiel gesehen habe, dass auch noch beim 2. Versuch Spaß macht. Doch soviel möchte ich gleich vorweg nehmen: Es funktioniert und wie! Es gibt 3 verschiedene Anfangspositionen von Sauron und natürlich beginnt man beim ersten Mal mit der sichersten und einfachsten Variante. Doch kaum hat man die geschafft, will man es noch genauer wissen und versucht es mit der nächst-schwereren

Aufstellung. Kommt man auch hier durch, so probiert man gleich die fast unmögliche Startposition. Und da funktioniert es nicht gleich beim ersten Versuch und man sitzt und grübelt, was man noch besser machen könnte bzw. wie man welche Situation umgehen könnte und startet sofort die nächste Partie.

Doch fangen wir von vorne an. Die Grafik auf der Schachtel zeigt Gandalf den Magier und ist sehr schön. Gleich nach dem Öffnen kommt die erste Überraschung: 3 Spielpläne. Davon ist einer der Hauptspielplan und bleibt das ganze Spiel über liegen. Die anderen beiden Pläne sind beidseitig bedruckt und stellen jeweils ein wichtiges Abenteuer aus der Geschichte dar. Diese werden in einer vorgegebenen Reihenfolge abgespielt.

 

Zu Beginn zieht jeder einen der 5 Charaktere. Derjenige der Frodo gezogen hat (der muss immer dabei sein, auch bei weniger Spielern) erhält zu Beginn den Ring, den es zu vernichten gilt. Jeder dieser Charaktere hat eine andere Fähigkeit. So gelten für Frodo alle weißen Hobbitkarten als Joker, doch dazu später. Außerdem ist der Spieler von Frodo der Startspieler. Danach wird der Hauptspielplan aufgelegt und auf das erste Feld (Beutelsend) kommt ein Markierungsstein. Die Figuren der Spieler kommen auf der Helligkeitsanzeige auf das Feld 0. Sauron wird (bei der einfachsten Variante) auf das Feld 15 gestellt. Im Laufe des Spiels nähern sich die Figuren und Sauron einander immer mehr an und man sollte nach Möglichkeit nicht von Sauron gefangen werden. Wenn der Ringträger von Sauron gefangen wird, ist das Spiel sofort beendet und alle Spieler gemeinsam haben verloren.

 

Jetzt wird das Spielmaterial aufgelegt, die Karten nach der unterschiedlichen Rückseite sortiert und von den Schilden werden je zwei 1er, 2er und 3er verdeckt und gemischt. Nachdem noch die Hobbitkarten und die Ereigniskärtchen gemischt wurden kann es los

gehen. Bei manchen Orten auf dem Hauptspielplan steht ganz genau dabei, was gemacht werden soll und so beginnt es auch in Beutelsend.

 

Als erste Aktion steht hier, dass jeder Mitspieler 6 Hobbitkarten bekommt. Diese werden zur Bewegung auf den Abenteuerplänen benötigt. Als nächstes steht dem Ringträger frei, ob er einmal würfelt, die negativen Folgen akzeptiert und danach 4 Hobbitkarten an die Mitspieler ausgeteilt werden oder ob er dieses bleiben lässt. Die möglichen Würfelergebnisse sind: 1, 2 oder 3 Felder Richtung Sauron ziehen, Sauron zieht 1 Feld Richtung Spieler, 2 Karten abwerfen. Nur die 6. Seite ist leer und bedeutet, dass es keine Auswirkungen gibt. Als 3. Aktion muss einer der Spieler 2 Karten mit dem Symbol Versteck (das ist ein Baum) abwerfen. Wenn niemand die Karten abgeben kann oder will, rückt Sauron um 1 Feld Richtung Licht vor.

 

Damit wäre das erste Abenteuer beendet und der Positionszeiger rückt auf das nächste Feld Bruchtal vor. Auch dort sind wieder 3 Ereignisse, die ausgeführt werden müssen. Ist auch dieses erledigt, geht es endlich mit dem ersten Abenteuer in Moria los. Auf dem Abenteuerspielplan gibt es eine Abenteuerleiste mit dem Schwertsymbol. Zusätzlich gibt es noch jeweils eine Versteckleiste (Baum) und eine Reiseleiste (Füße). Auf jeder dieser Leisten steht am Anfang ein Markierungsstein. Zusätzlich gibt es noch 6 Ereignisse, die jeweils auf dem Plan genau beschrieben sind. Ziel ist es, diese Abenteuer zu bestehen indem man entweder das letzte Feld auf der Abenteuerleiste erreicht hat oder wenn alle 6 Ereignisse eingetreten sind. Diese bedeuten aber im Normalfall nur schlimme Vorkommnisse. Daher ist es besser, schnell zu laufen.

Der Startspieler deckt nun das oberste Ereignisplättchen auf. Befindet sich darauf eines der 4 Symbole (Kampf, Reise, Versteck oder Freundschaft), so darf er den jeweiligen Markierungsstein um ein Feld weiter ziehen und bekommt, was auf dem Feld abgebildet ist. Es gibt dort Schilder, Ringe,Herzen, Sonnen, Sonderkarten oder das Zeichen zum Würfeln. Danach darf er bis zu 2 seiner Hobbitkarten ausspielen, wobei eine einen grauen Hintergrund haben muss und eine einen weißen Hintergrund (außer die Charaktereigenschaften erlauben anderes). Er zieht dann auf der jeweiligen Leiste so

viele Felder weit, wie Symbole abgebildet sind und kassiert alles, was er überquert und auch das, worauf er stehen bleibt. Anstatt die Hobbitkarten auszuspielen, hat er noch die Möglichkeit stehen zu bleiben und entweder 2 neue Hobbitkarten zu ziehen oder mit seiner Spielfigur ein Feld Richtung Licht (weg von Sauron) zu gehen. Danach ist sein

Spielzug beendet und der Nächste ist an der Reihe.

 

Hat er ein Symbol aufgedeckt, dass auf diesem Spielplan nicht vorhanden ist, kann er einen beliebigen Markierungsstein vorsetzen. Doch auf den Ereigniskärtchen gibt es

nicht nur Symbole, sondern auch das Zeichen für Sauron, bei dem dieser ein Feld vorrückt. Weiters das Zeichen vom Ringträger, wodurch dieser ein Feld Richtung Finsternis ziehen muss. Dann gibt es noch Kärtchen, wo man bestimmte Dinge wie Ringe, Schilder oder Karten abgeben muss, um das nächste Ereignis zu verhindern und dann Kärtchen für die Ereignisse selbst. Wird ein solches umgedreht, wird der Positionsstein auf das nächste Ereignis weiter geschoben, wo es darum geht, eine bestimmte Aufgabe durch Abgabe von Karten, Schildern etc. abzuwenden. Ansonsten muss der jeweilige Spieler oder Alle entweder würfeln oder Sauron kommt einem immer mehr entgegen. Danach wird das nächste Ereignisplättchen aufgedeckt und wieder ausgeführt. Das geschieht solange, bis endlich ein Symbol aufgedreht wird, wo es wie schon vorher beschrieben weiter geht. Bei einigen der Abenteuer gibt es noch zusätzliche Karten, die an die Spieler verteilt werden. Darunter sind welche mit gelbem Hintergrund, die jederzeit eingesetzt werden können und der Gruppe oder auch einem einzelnen Spieler weiterhelfen können. Als letzten Ausweg um nicht von Sauron gefangen zu werden, gibt es noch fünf Gandalfkarten, die man zum Preis von 5 Schildern erwerben und jederzeit einsetzen kann. Soviel zum Ablauf.

 

Genauer lässt es sich kaum beschreiben, da man sonst fast jede Karte einzeln erklären müsste. In den Spielregeln stehen noch verschiedene Auswertungsmöglichkeiten, um einen Einzelspieler als Sieger zu deklarieren. Doch ist das ziemlich unnötig. Man kämpft schon genug damit, zumindest den Ringträger lebend durch Mordor zu bringen und schlussendlich den Ring zu vernichten. Nochmals: Es ist ein Kooperationsspiel und es besteht wirklich kein Grund zur Freude, wenn Mitspieler ausscheiden, da man ihre Karten dringend benötigen könnte. Und noch ein kleiner Tipp am Rande: Jedesmal wenn ein neues Abenteuer begonnen wird, sollte sich die ganze Gruppe die Ereignisse gut durchlesen, um auf verschiedene Forderungen besser reagieren zu können.

 

Ich habe schon lange kein neues Spiel in den ersten beiden Wochen ca. 25 mal gespielt. Doch das ist hier ein Muss, um erstens den Spieltrieb zu befriedigen und zweitens die unterschiedlichen Spieleranzahlen auszuprobieren. Meiner Meinung nach sollten maximal 4 Spieler mitspielen, um sich nicht selbst zu sehr mit den beschränkten Ressourcen Sonne und Herz zu schaden, da jeder Spieler für jedes fehlende Plättchen ein Feld Richtung Sauron ziehen muss und davon nur jeweils 3 davon vorhanden sind. Dafür steht in der Anleitung ab 2 Spieler, aber es ist sehr wohl möglich das Spiel auch solitär zu spielen. Dadurch kommt man zu sehr vielen Karten und es wird schon etwas leichter. Aber hier kann man ja mit der Startposition von Sauron etwas nachjustieren.

 

Als absoluter Herr der Ringe-Fan, der schon verzweifelt auf den Filmstart im kommenden Jahr wartet, bin ich total begeistert, dass die Geschichte nicht aufgesetzt wirkt, wie es bei den meisten Spielen der Fall ist, die zuerst vom Ablauf her fertig sind und denen nachträglich ein Hintergrund verpasst wird. Hier steht man wirklich mitten im Buch und vollzieht die Abenteuer nach. Vielleicht ist das aber für jemanden der es nicht kennt, nicht so stark der Fall. In meinen Spielrunden war das aber nie der Fall und nur

gewisse Stichworte oder Situationen mussten erklärt werden. Ein weiteres dickes Plus dafür, dass es dem Spielspaß keinen Abbruch tut, wenn man es mit Kindern spielt (die Altersangabe kann man durchaus auf 8 Jahre reduzieren). Da das Spiel durch die Kooperation lebt, wird laufend über mögliche Züge diskutiert. Es ist also auch ein sehr kommunikatives Spiel.

 

Durch das Mischen der Ereignisplättchen nach jedem Abenteuer und auch durch den

Würfel ist natürlich ein sehr hoher Glücksfaktor enthalten, den man aber durch

konsequente Zusammenarbeit und Ausnützen aller Tricks (Darf man wirklich zwischen Würfelwurf und Ausführen des Ergebnisses eine Gandalfkarte kaufen und einsetzen?) wieder ziemlich wettmachen kann. Aber wenn keine überraschenden Elemente im Spiel wären, wäre es ja ziemlich fad und berechenbar. Andererseits verläuft gerade dadurch jede Partie anders und es stört keineswegs, dass man den Plan und damit die Ereignisse kennt. Die Grafik ist an sich wunderschön, wobei mich ein bisschen die Optik der Hobbits gestört hat. So sind sie hier als liebe Jungs abgebildet und nicht wie im Original etwas untersetzt und mit stark behaarten Beinen. Doch der Rest ist wirklich gut. Wen wundert es, da es doch vom Original-Grafiker gezeichnet wurde. Alles in allem bin ich, trotz anfänglicher Skepsis, absolut begeistert und kann das Spiel jedem nur wärmstens empfehlen.