Rezension

 

Justice League auf Karten

 

DC Comics Superhelden

 

Deckbau mit Helden

 

“Hurra! Ein weiterer Deckbuilder“, wird sich so manch einer denken, ob nun sarkastisch gemeint oder nicht. Es ist wahr, dass die Einführung der Spielmechanik durch Dominion im Jahr 2008 eine Welle an Spielen dieser Art auslöste, die scheinbar bis heute anhält. Was macht das DC Superhelden Deck-Building Game nun anders als die anderen?

 

Zunächst einmal bedient es sich keinem generischen High Fantasy- oder Science-Fiction Setting, wie wir es schon zur Genüge hatten, sondern bildet das DC Comic Universum ab. Dessen Charaktere sind zugegebenermaßen auch nur eine bunte Mischung frei erfundener Geschichten der Vergangenheit und Zukunft, wurden jedoch bis dato vergleichsweise selten in ein Brett- oder Kartenspiel gepackt.

 

Wir schlüpfen also in die Rollen von Comichelden, genau genommen in jene der Gerechtigkeitsliga (Justice League). Zur Auswahl stehen hierbei Batman, Superman, Wonder Woman, Green Lantern, Aquaman, Cyborg und The Flash. Jeder Held besitzt eine eigene Superkraft, die seinem Spieler während der gesamten Partie einen besonderen Vorteil verschafft. Als Batman erlangt man beispielsweise größere Stärke bei Verwendung vieler Ausrüstungskarten. „Stärke“ dient den Spielern als Währung, um neue Karten aus einer allgemeinen Auslage zu erwerben und auf diese Weise deren Kartendecks zu verbessern.

 

Zu Spielbeginn starten alle Spieler mit identen Kartendecks, bestehend aus sieben „Fausthieben“ zu je einem Stärkepunkt und drei „Verwundbar“-Karten ohne Effekt. Diese werden verdeckt gemischt und bilden anschließend die persönlichen Nachziehstapel der Spieler, von denen jeder fünf Karten zieht. In seinem Spielzug darf man beliebig viele dieser Handkarten für ihren (Stärke-)Bonus vor sich ausspielen und damit bessere Karten aus einer offenen Auslage kaufen. Eine Hitzeblick-Spezialfähigkeit für Wonder Woman? Das macht sechs Stärke, bitte! Oder wie wäre es mit einem Batmobil für den Flash? Was weiß ich, wofür der so etwas braucht. Für zwei Stärkepunkte bist du dabei!

Es gibt insgesamt sechs unterschiedliche Kartentypen mit Kosten von zwei bis acht Stärke, die man, je nach aktueller Auslage, auf diese Weise erwerben kann. Die Spezialfähigkeit „Tritt“ (kostet drei Stärke und bringt beim Ausspielen zwei) steht immer zum Kauf zur Verfügung, um nicht alles dem Zufall zu überlassen.

 

Ziel des Ganzen ist es, sein Deck so weit mit neuen Karten zu verbessern, dass man in seinem Spielzug zumindest den aktiven Oberschurken besiegen kann. Mit Stärkeanforderungen zwischen acht und dreizehn Punkten ist das leichter gesagt als getan, zudem jeder dieser Schurken einen bösen Angriff auf alle Spieler verübt, sobald er zum ersten Mal vom Oberschurkenstapel aufgedeckt wird. Ein solcher Angriff zielt meistens zufällig auf die Handkarten oder Decks der Spieler ab und lässt sich nur durch Karten mit der Fähigkeit „Verteidigung“ abwehren, wenn man diese zum jeweiligen Zeitpunkt vorzeigen kann.

 

Als Belohnung dafür, es mit so einem Ungetüm aufgenommen zu haben, erhält man die Oberschurkenkarte für sein Deck, die zum einen wieder besondere Boni beim Ausspielen gibt und zum anderen am Spielende - dem Zeitpunkt an dem alle von ihnen besiegt wurden - eine beträchtliche Anzahl an Siegpunkten zählt.

Ja, wie bei den meisten Spielen der letzten Jahre, geht es auch in diesem Deckbuilder im Endeffekt darum, die meisten Siegpunkte zu erlangen, und, obgleich alle neugewonnenen Karten ihren Teil dazu beitragen, fallen besiegte Oberschurken hierbei so stark ins Gewicht, dass sich kaum eine alternative „Strategie“ erkennen lässt. Aber muss es auch nicht.

 

„DC Superhelden“ folgt einer klaren Linie. Mit Hilfe bewährter Deckbaumechaniken lässt es die Spieler schnell und einfach ihre individuellen Kartenkombinationen erschaffen und ergänzt das Ganze um ein geschmackvolles Comic-Book-Thema, das wie der Fausthieb aufs Auge passt. Anstelle von langen Denkphasen, wird einem hier, mit der richtigen Gruppe von Leuten, ein durchwegs flottes und kurzweiliges Spielerlebnis mit genügend taktischen Entscheidungen geboten. Freunde von interaktiven Kartenspielen kommen weniger auf ihre Kosten, da es mit Ausnahme der Superschurkenangriffe größtenteils solitär zugeht. Das tut dem Spielspaß jedoch keinen Abbruch, denn es ist ein Rennen um die meisten Siegpunkte, nicht mehr und nicht weniger.

 

Mir gefällt das Spiel gut. Ich bin ein großer Fan von Marvel und DC Superhelden und dieses Thema passt hervorragend in das Genre der Deckbauspiele. Wie bei anderen Ablegern auch, kann das Kartenglück einem stark in die Hände spielen, oder einem frühzeitig jegliche Chance auf den Sieg nehmen, doch das nehme ich bei DC Comics Superhelden gerne in Kauf. Eine klare Empfehlung meinerseits für alle Liebhaber von „Dominion“ und dem DC Comic Universum. Einfach abschalten und drauflos spielen!

 

Dennis Rappel

 

Spieler: 2-5

Alter: 8+

Dauer: 45+

Autor: Matt Hyra, Ben Stoll

Grafik: Larry Rence + Team, Mirko Suzuki

Preis: ca. 25 Euro

Verlag: Kosmos 2016

Web: www.kosmos.de

Genre: Deckbau, Hand Management

Zielgruppe: Mit Freunden  

Version: de

Regeln: cn de en it

Text im Spiel: ja

 

Kommentar:

Actiongeladene Comicgrafik

Flüssiger Spielablauf

Viel Kartentext

 

Vergleichbar:

Ascension, Star Realms

 

Andere Ausgaben:

Cryptozoic (en), Broadway Toys (cn), Cosmic Games (it)

 

Meine Einschätzung: 5

 

Dennis Rappel:

Ein flotter Superheldenspaß, wenn man einmal mit den Karten und der Spielmechanik vertraut ist. Die Vielzahl an taktischen Überlegungen und Kartenkombinationen halten den Deckbuilder interessant und laden zum Wiederspielen ein, lassen jedoch keinen Platz für strategische Entscheidungen. Spieler mit einem glücklicheren Händchen zum passenden Zeitpunkt haben einen klaren Vorteil, doch bei dem tollen Thema und der vergleichsweise kurzen Spieldauer, kann man das hier durchaus hinnehmen.

 

Zufall (rosa): 2

Taktik (türkis): 2

Strategie (blau): 1

Kreativität (dunkelblau): 0

Wissen (gelb): 0

Gedächtnis (orange): 0

Kommunikation (rot): 0

Interaktion (braun): 1

Geschicklichkeit (grün): 0

Action (dunkelgrün): 0