2 Besprechungen

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NOCHTSCHICHT

 

NOCHTSCHICHT

Günther Brödl

2 - 6 Spieler

1991, E&A Public Relations

 

Mitternacht. Das heutige Ostbahn-Kurti und die Chefpartie-Konzert in einem idyllischen Schutzhaus inmitten einer Schrebergarten- Siedlung wurde nach massiven Anrainer-Protesten von der Exekutive vorzeitig beendet. Jetzt verstauen die Roadies die Anlage im Bus, der Wirt reibt sich - ob des erfreulichen Umsatzes - zufrieden die Hände, und die sechs Musikanten blicken hinunter auf die Lichter der Stadt. Sie wissen: Diese Nacht wird lang und laut und heiß.

 

Das Konzert war erst der Auftakt Jetzt ist "NOCHTSCHICHT". Und so macht sich jeder, seine Gage von ÖS 5.000,-- in der Tasche, auf den Weg in die Nacht ...

Dies ist die Vorgeschichte zu NOCHTSCHICHT. Daraus kann man schon erahnen, was einen erwartet. Wenn man die tiefschwarze Schachtel (numeriert und hand-signiert von Herrn Kurt Ostbahn, wie er sich jetzt nennt) öffnet, findet man einen Spielplan, der Wien darstellt, und von einem Gitterraster überzogen ist. Einige der so entstandenen Quadrate sind rot umrandet - die "heißen Pflaster", andere gelb - die Telefonzellen. Weiters findet man Spielgeld in der Stückelung 1000er, 500er, Kilo für

alle, die nicht mit dem Wiener Slang vertraut sind: 100er) und 50er, Zeitmarken (ganze und halbe Stunden, symbolisiert durch ganze und halbe Uhren), Telefon-Wertkarten, Pflastersteinkarten, Proberaum-Karten, Würstelstand-Karten und "Espresso Rosi" - Karten. Zum Schluß entdeckt man auch noch die

Spielfiguren - Kronenkorken mit den Konterfeis der "Chefpartie".

 

Auf dem Spielplan sind außer den "heißen Pflaster" und den Telefonzellen auch noch das Schutzhaus (der Start, das über beleumundete Lokal "Espresso Rosi", der Würstelstand, der Proberaum, sowie die Wohnungen der Mitspieler (das Ziel) verzeichnet.

 

Ziel des Spieles ist es, als Erster völlig abgebrannt (soll heißen: ohne Geld) und übermüdet (mit mindestens acht Stunden) in seiner eigenen Wohnung anzukommen. Zu Beginn erhält jeder einen Spielkorken und die Abendgage von 5.000,--. Reihum kann nun jeder Spieler waagrecht oder senkrecht ziehen. Strecken von 1 oder 2 Felder werden zu Fuß, d.h. gratis, zurückgelegt, zieht man 3 oder 4 Felder, fallen Taxikosten von 50,-- an. Kommt man auf ein rot umrandetes Feld, zieht man eine Pflastersteinkarte. Hier kann man Geld verlieren und/oder Stunden gewinnen. Allerdings kann man auch Geld bekommen und/oder Stunden verlieren (und des is net scheen, scheen, scheen,).

In den Telefonzellen kann man telefonieren (logisch, was sonst?). Dazu zieht man eine seiner persönlichen Telefonwertkarten. Diese halten nur Gutes bereit. Allerdings darf man nur zweimal im Spiel telefonieren.

Zieht man auf das Proberaum-Feld, kann man einen anderen Spieler dorthin einladen. Dieser zieht eine Proberaumkarte und verliert Stunden, die dem Gastgeber gutgeschrieben werden. Zum

Glück darf ein Spieler nicht öfter als dreimal den Proberaum aufsuchen.

Das "Espresso Rosi" ist eine ähnlich nette Einrichtung. Auch hier kann der Spieler, der dorthin zieht, einladen. Hier bekommt der"Gast" allerdings Geld. Dies ist "recht erfreulich", aber bei diesem Spiel leider negativ. Wie schon der Proberaum, darf auch das "Espresso" nur dreimal aufgesucht werden.

Und dann gibt's da noch den Würstelstand. Diesen darf man nur einmal im Spiel aufsuchen, allerdings sind die Karten, die man dort erhält, sehr nützlich. Sie dürten erst dann ausgespielt werden, wenn man nur mehr maximal 700,-- in der Tasche hat und bereits mindestens sieben Stunden unterwegs ist. Mit diesen Informationen ausgestattet, steht einer langen Nacht nichts mehr im Wege. Man wirft sich ins nächtliche Wien und versucht seine Gage loszuwerden.

 

Die Bewertung dieses Spiel ist etwas schwierig. Einerseits gibt es Spiele dieser Art wie Sand am Meer. Andererseits ist die Auflage auf 1000 Stück limitiert. Zweitens ist die Ausstattung für einen Amateur-Spielehersteller fantastisch und man merkt die Liebe zum Detall (Z. B. besitzt jede Pflastersteinkarte eine Überschrift, die einem Song-Titel von O. Kurti entspricht. Drittens läßt das Spiel genügend Raum für etliche Bösartigkeiten. Und viertens ist es das ideale Spiel, wenn man damit selbst eine NOCHTSCHICHT einlegt (So hab' ich es kennengelernt - zwischen Mmernacht und 3 Uhr in der Früh!). Nach dieser Werbung nun zur Wertung:

 

Win-Wertung:

** NOCHTSCHICHT: WWW S I UUU AA 4-6 (2-6) h

 

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NOCHTSCHICHT

 

Besprechung von: Ellsabeth Kodys, Strohmayerg.7/14, 1060 Wien, Tel.0222/5649092

NOCHTSCHICHT

Ostbahn KurH & die Chefpartie

für 2-6 Nachtschwärmer von Günter Brödl,

E & A Public Relation GmbH, 1991

 

Sie machen noch wenig Werbung, der Ostbahn Kurti und seine Chefpartie. Jedenfalls so wenig, daß wir immer noch ein Spiel bekommen haben, obwohl es schon April ist. Das Spiel ist handsigniert. Das wissen wir so genau, weil wir eigentlich 2 Spiele bekommen haben, die wirklich unterschiedliche Autogramme tragen. Und nicht Günter Brödl (der Autor) hat es signiert, sondern Ostbahn Kurti.

 

Es ist also nicht mehr nötig, zu den Konzerten zu rasen (das schon!), an der Hintertüre zu lauern und mit Autogramm-Karten hinter den Idolen herzujagen. Schickt ganz einfach eine Postkarte und Ihr bekommt sogar (gegen einen mehr als fairen Preis, wenn man das österreichische Preisniveau betrachtet) ein Spiel zum Autogramm.

 

Und damit könnt Ihr schon in ihre Fußstapfen treten, in die von Ostbahn Kurti und seiner Chefpartie. Jede Nacht. Mit Popkorn und Bier, das aber in Flaschen. Denn die Kronkorken braucht Ihr zum Flippen. Übrigens, Ich glaube, ich mache irgendetwas falsch beim Kronkorken-Flippen. Ich muß noch üben. Wenn ich flippe, brauche ich den Kronkorken gar nicht mehr zu suchen ... deshalb macht mir auch das Bier so zu schaffen. Vor allem in der Menge.

 

Um Ostbahn Kurti und seine Chefpartie zu verstehen, müßt Ihr wissen, daß sie sich nach einem von der Exekutive vorzeitig beendeten Konzert - Ignoranten, diese Anrainer - den angefangenen Abend um die Ohren schlagen müssen. Es ist ja erst Mitternacht. Anständige Roadies gehören noch nicht ins Bett! Vor allem nicht, wenn sie noch 1 Groschen in der Tasche haben! Also, auf zur Nochtschicht mit Ostbahn Kurti und der Chefpartie!

 

Jetzt legen wir am besten die Ostbahn Kurti-CD auf, bei der wir den Hinweis auf das Spiel erst einmal entdeckt hatten. Und nun richtig eingestimmt schlüpft jeder Spieler in seine Lieblingsrolle. Da wären Ostbahn Kurti Leopold "Prinz" Karasek, Lilli Marschall, Mario Adretti, Karl Horak oder Edi Jedelski zur Wahl. Jeder erhält noch seine Abendgage von 5.000. in kleinen Scheinen (das ist mehr als Ihr denkt!), und zieht zu Fuß oder im Taxi kreuz und quer durchs nächtliche Wien. Geht er zu Fuß, kann er gratis 1 oder 2 Felder weit waagrecht oder senkrecht gehen, per Taxi können 3-4 Felder überwunden werden, das kostet aber 50,-.

 

Das Wiener Pflaster ist aber ganz schön gefährlich, und wer rot umrandete, heiße Pflaster betritt, hebt eine Pflaster-Karte und erlebt so einiges: z.B. Du warst immer schon eine Stimmungs kanone. Bei deinem neuesten Trick (Feuerspucken) haben die Vorhänge deines Gastgebers Feuer gefangen. Nachdem Du D1ch 1 Stunde lang bei den Löscharbeiten durch viel Einsatz hervorgetan hast, gibst Du dem Gastgeber zusätzlich 500,- für neue Gardinen.

 

Auch pikante Erlebnisse gibt es: Ein heißes Liebesabenteuer wartet. Als gewissenhafter Mensch triffst Du Verhütungsmaßnahmen. Die Suche nach einem funktionierenden Kondom-Automaten führt Dich durch gut zwei Dutzend Herren-Tolletten. Nach einer Stunde ist Deine Leidenschaft deutlich abgekühlt. Das Abenteuer wird vertagt. - Und viel einfacher: Du bist mit Deinen Bergschuhen in ein Hundstrümmerl gestiegen. Bis Du es an der Gehsteigkante abgekratzt hast, sind glatt 30 Minuten vergangen. (Wien, Wien, nur Du allein ... - wie lebensnah!)

An meinem Kronkorken-Verbrauch sind aber folgende Karten schuld: Ein halbes Dutzend finsterer Gestalten bittet Dich mit gezacktem Taschenfeitel um eine kleine Geldspende. Was tun? Wirf Deinen Spielkorken auf! Oben: Du spendest bereitwillig einen Blauen (1000,-). Unten: Du gibst Fersengeld. Eine Jagd durchs Dickicht nächtlicher Parkanlagen beginnt. Eine Stunde später bist Du atemlos, aber die Banditen los. Der Bankhaber zahlt (auch das gibt's) oder kassiert die geforderten Beträge und gibt Stundenmarker aus, die offen aufgelegt werden.

 

Hier kommt endlich die Interaktion ins Spiel. Allzu erfolgreiche Roadies können in den PROBERAUM gelockt werden! Das bringt regelmäßig Zeit und Geld - wie gemein! Auch das ESPRESSO ROSI dient der finanziellen Sanierung der lieben Kollegen. Dazu betritt der hämische Gegner in seinem Zug eines der beiden Spezialfelder (jedes max. 3 x) und holt das Opfer dazu, eine passende Karte wird abgehoben - und voila, Rosi hat für Deine schrottreife Stereoanlage einen Käufer gefunden. Du trennst Dich von dem antiken Stück für 2.000,- und ein Autogramm.

Um sich vor derartigen Angriffen zu schützen, ist es ratsam, den WÜRSTELSTAND (nur 1 x) aufzusuchen. Dort wird einem z.B. mit viel Glück waaaaaahnsinnig schlecht, das schützt vor dem Rosi! Leider nach Verwendung abzulegen.

Man kann aber auch TELEFONIEREN (max. 2 x), das bringt eine Telefon-Wert-karte, die z.B. einen Freiflug zu Rosi (diesmal nicht als Opfer), oder -2.000,- erlaubt.

Hat man nun endlich genügend Geld ausgegeben, um gerade noch mit dem Taxi oder zu Fuß nach Hause zu kommen, macht man sich endlich auf dem Heimweg. Wer nach mindestens 8 Stunden Nochtschicht als erster pleite im Bett liegt, hat gewonnen.

 

Was mir an diesem Spiel besonders gut gefallen hat, ist die liebevolle und überzeugend professionelle Aufmachung des gesamten Produktes. Das beginnt bei den Ostbahn Kurti-Geldscheinen, wo der 100er einfach "Kilo" heißt und geht über die Spielfiguren, die bezeichnenderweise tatsächlich Kronkorken sind, bedruckt mit den Porträts von Ostbahn Kurti, Leopold

"Prinz" Karasek, Lilli Marschall, usw. Der Spielplan zeigt eine stilisierte Straßenkarte von Wien bei Nacht (schwarze Hauser, graue Straßen, dunkelgrüne Parkanlagen) und paßt genauso stimmig zur "Nochtschicht" wie die Ereigniskarten die handgeschrieben sind und auch Liedertitel der Gnuppe eingearbeitet haben. Für die gute grafische Gestaltung zeichnet übrigens der Comic-Zeichner Putzker verantwortlich.

Was mich etwas gestört hat, ist das Ungleichgewicht zwischen Stunden- und Geldverbrauch. Es ist immer wieder vorgekommen, daß jeder Spieler 12, 13, j asogar 14 Stunden verbraten hatte, aber noch immer auf 4.000,- hockte, weil er immer wieder Geld dazubekommen hatte. (Es gibt ja nicht nur "liebe Kollegen",

die haben sich bei meinem Gehaben gar nicht mehr besonders um mich gekümmert, auch Pflasterkarten fallen gemeinerweise mit Geldgeschenken in den Rücken.) Dadurch wird auch die Spieldauer auf 1-2 Stunden verlängert.

Das Problem ließe sich, glaube ich aber, leicht beheben, indem

das Startgeld auf 4.000,- reduziert und die Schrittweiten für zu Fuß auf 1-3 und für Taxifahrten auf 4-6 Felder erhöht werden. Dadurch ist "mehr los" (obwohl man gerade darüber nicht klagen kann), es werden aber auch leichter die Spezialfelder, wie Rosi und Würstelstand, bzw. die Heimatfelder erreicht.

Die etwas wirre Anordnung der Sonderfelder stört nur mehr mathematische Puristen.

Jetzt bleibt mir nurmehr zu sagen, daß die NOCHTSCHICHT, ein Produkt von "Laien im Spielebereich", so manches von professionellen Spieleherstellern produzierte Spiel an Spielspaß und stimmig detalllierter Aufmachung in den Schatten

stellt. Das richtige Spiel für feucht-fröhliche Abende.

Jetzt noch etwas Ganz wichtiges für Spielefreaks und -Sammler: "NOCHTSCHICHT Ostbahn Kurti und die Chefpartie" kann noch immer bezogen werden.

Am besten per Postkarte an E & A PUBLIC RELATION, Wienerstraße 102 3425 Langenlebam, oder gleich per Telefon unter 02272/5494, zum Preis von ÖS 170,- + Versandspesen. Und das ist doch wirklich nicht so viel.

Außerdem: Es gibt insgesamt nur 1.000 Stück und wir haben schon die Nr. 483!

 

WIN-Wertung:

NOCHTSCHICHT WWW S 11 U(U) AAA 3-6 (2-6)