CAPONE

 

CAPONE

von Mark Caines

3-6 Spieler ab 14 Jahren

AMIGO, 1994

 

Das werde ich meiner Frau so schnell nicht verzeihen! Zuerst hat sie, obwohl noch eine andere Druckerei frei war, meine aufs Korn genommen und dabei zwei meiner Familienmitglieder eliminiert und dann, so als kleine Draufgabe, noch meiner geliebten Mama die Betonpatscherl angezogen. Ich habe die Zähne zusammengebissen und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Aber die Rache wird kommen, ganz still und leise. Es werden Nadelstiche sein, die sie zu spüren bekommt, kleine, aber schmerzhafte, immer wieder eingestreut ins tägliche Leben.

 

"Capone" haben wir gespielt, zu fünft. Ein Spiel, bei dem es darum geht, als erster eine Million Dollar durch legale Geschäfte zu verdienen. Und wer wie ich eine grundehrliche Haut ist, der sollte lieber nicht nur das Spiel sein lassen, sondern besser erst gar nicht damit beginnen. Unterstützt wird man beim Geldscheffeln von seiner Familie, bestehend aus acht Mitgliedern und acht Bodyguards. Diese werden am Familienfoto abgelegt, so dass man immer den Überblick behält. 100.000 Bucks hat man übrigens auch noch, wofür, das werden Sie bald merken.

 

In jeder Runde, sie entspricht einem Jahr, erhalten die Spieler vier oder fünf Karten, je nach Anzahl der Teilnehmer. Wem seine Karten nicht passen, der kann beliebig viele davon umtauschen, aber nur einmal. Es gibt drei verschiedene Kartenarten: Legale Geschäfte, illegale Geschäfte und Aktionskarten.

 

Legale Geschäftskarten dienen dazu, eben solche zu tätigen. Dazu spielt man die entsprechende Karte aus, setzt dann einen seiner Bodyguards auf das entsprechende Feld am Spielplan und erhält, je nachdem, wie viel man bereits in derartige Geschäfte investiert hat, einen bestimmten Betrag ausbezahlt. Viel, soviel verrate ich schon mal, ist es aber nicht.

 

Da sind die illegalen Geschäfte schon um einiges lohnender. Es gibt davon zehn verschiedene, wobei jedes zweimal am Spielplan vorhanden ist. Sie bringen auch viel mehr Geld ein und da es zu jedem Geschäft zumindest drei Karten gibt, sind Konflikte schon vorprogrammiert. Ein Beispiel: Die Karte Waffengeschäfte weist 30.000 Dollar aus, Das ist nicht unbedingt die Summe, die man dafür erhält, denn diese wird in der Regel viel höher sein., Vielmehr müssen Spielsteine in zumindest diesem Wert auf einem entsprechenden Spielplanfeld abgelegt werden. Die oben schon erwähnten Bodyguards haben einen Wert von 5.000 Dollar, bei den einzelnen Familienmitgliedern schwankt er zwischen 20.000 und 100.000.

 

Was aber geschieht, wenn beide Waffengeschäftsfelder schon besetzt sind? Nun ja, dann habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder lege ich die Karte wirkungslos ab, oder ich versuche den anderen auszustechen. Dies ist natürlich auch dann schon möglich, wenn eines der beiden Felder noch nicht besetzt ist. Der Wert, der nun überboten werden muss, ist um 5.000 Dollar höher als der Gesamtwert der Figuren, die im Moment dieses Feld besetzen. Die Bodyguards des Unglücklichen werden zur Seite gelegt und können am Ende der Runde wieder für je 5.000 Dollar angeheuert werden. Die Familienmitglieder, aber, na ja, die gehen den Bach runter. Beim nächsten Spiel, da dürfen sie dann wieder eingesetzt werden.

 

So werden nun die Karten reihum ausgespielt, bis niemand mehr eine hat und es zur Abrechnung kommt. Für jeden in einem illegalen Geschäft sitzenden Spielstein bekommt man den entsprechend Wert ausbezahlt und kann nun das gewonnene Geld in legale Geschäfte investieren. Dazu zahlt man ein Vielfaches von 100.000 Dollar an die Bank und darf dafür seinen Investitions-Chip um ein Feld weiter schieben. Wer so als erster die 1.000.000-Marke erreicht, gewinnt.

 

Die in Geschäften eingesetzten Familienmitglieder erhält man natürlich wieder zurück und während der Runde entfernte Bodyguards kann man, wie schon erwähnt, um 5.000 Dollar pro Guard wieder zurückkaufen. Nun werden wieder Karten verteilt und ein neues Jahr beginnt.

 

Die rechte Würze kriegt "Capone" aber erst durch die Aktionskarten. Durch sie kann ein Familienmitglied eines anderen Spielers für das laufende Jahr aus dem Verkehr gezogen oder für mehrere Jahre ins Gefängnis gesteckt werden, man kann mit ihnen Schutzgeld erpressen, sie machen es möglich, dass man ein illegales Geschäft ohne entsprechende Geschäftskarte übernimmt, wobei die Familienmitglieder aber zurückgegeben werden, und sie gestatten es sogar, in einem Geschäft tabula rasa zu machen - den örtlichen Betonhandel wird's freuen.

 

Über "Capone" lässt sich nun genau das sagen, was ich in der letzten Ausgabe bereits über "Kohle, Kies & Knete" geschrieben habe. Persönlich gefällt mir das Spiel sehr gut, trotz Frau, aber eine besondere Kaufempfehlung kann ich dazu nicht geben. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob sich seine Spielrunde mit Spielen dieser Art anfreunden kann.

 

Abschließend vielleicht noch ein paar Worte zum Spielmaterial. Cover und Spielplan sind vom "In-Graphiker" Franz Vohwinkel sehr stimmungsvoll umgesetzt worden und bei den Namen der Familienmitglieder kommt man manchmal ins Schmunzeln. Geld und Karten sind von ordentlicher Qualität und dass die Spielsteine aus Holz sind, freut einen natürlich.

 

Weniger angenehm ist aber, dass die Farben rot und orange schlecht auseinander zu halten sind, und dass die Aufkleber, durch die die einzelnen Familienmitglieder dargestellt werden, etwas zu klein geraten und dadurch die auf ihnen enthaltenen Informationen nur schwer zu lesen sind. Doch das kann den Spielspaß kaum trüben.

Und wer noch eine letzte Entscheidungshilfe benötigt, dem möchte ich noch raten, dass er einmal das Preisschild näher betrachten soll - ein Angebot, das man fast nicht ablehnen kann!

 

Meine Frau ruft übrigens schon zum zweiten Mal, weil das Essen fertig auf dem Tisch steht. Vielleicht täusche ich mich ja, aber ganz leichter Ärger scheint bereits mitzuschwingen. Trotzdem werde ich vorher noch schnell den Artikel korrigieren, na ja, ganz so schnell natürlich nicht, denn sonst übersehe ich ja glatt einen Fehler. - Sie hätte halt nicht meine Mama ....

 

WIN-Wertung:

* CAPONE AA III UU 3-6 m